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Evernote ist kein Allheilmittel. Ich bevorzuge beispielsweise für meine ToDo Listen immer noch ein analoges handschriftliches Notizbuch von Leuchtturm (keine Ahnung warum, vielleicht, weil ich mir Dinge, die ich wirklich zu tun habe besser merken kann, wenn ich sie einmal handschriftlich niedergeschrieben habe), ich verwalte meine Termine im Google Calendar, weil das die Synchronisation mit meinem Smartphone erleichtert, ich habe meine Kontakte in meiner web.de Inbox (weil ich sie da schon immer hatte) und ich nutze Evernote …. als Zettelkasten! Bei den weiteren Ausführungen gehe ich davon aus, dass du dich in Grundzügen mit Evernote auskennst, da ich keine grundlegenden Features erklären werde. Ich werde statt dessen zeigen, wie man grundlegende Evernote Features in Luhmanns Sinne zur Schaffung eines Zettelkastens einsetzen kann.
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Definition Zettelkasten:
Der Begriff des Zettelkastens ist vielleicht nicht so unbedingt geläufig, daher ein paar kurze Erläuterungen:
Ein Zettelkasten soll die Produktion von Wissen befördern und ist ein Werkzeug zum Schreiben. Der Zettelkasten ist dafür angelegt, die Gesamtheit des eigenen Wissens und aller relevanten Informationen aufzunehmen. Die Zettelkastenmethode ist eine ganzheitliche Herangehensweise, die Lernen, Organisieren und Schreiben miteinander zu einem Prozess verbindet. Durch die Arbeit mit dem Zettelkasten ist man, wenn man liest, beständig zum Schreiben angehalten. „Nulla dies sine linea“ – Kein Tag ohne Zeile. Der Zettelkasten zwingt dazu so zu schreiben, dass bereits sehr kurze Abschnitte aus sich selbst heraus verstehbar sind. Im Idealfall nimmt man einen gründlich durchgearbeiteten Text nie wieder zur Hand. Anstatt dessen sucht man nach dem Thema oder dem Autor in dem Zettelkasten und hat dort sofort alles zur Hand was man dazu gelesen und geschrieben hat.
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Evernote wiederum ist dazu gemacht Notizen, gleich welcher Art, zu erfassen, Notizbüchern zuzuordnen und mit Schlagwörtern und Verknüpfungen zu versehen. Evernote ist daher sehr gut geeignet für eine solche Sammlung und Vernetzung von Gedanken und Wissen, um daraus später Texte zu generieren. Im Nachfolgenden beschreibe ich wie das für mich funktioniert:
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Es gibt 3 Möglichkeiten wie Notiz entstehen können:
  • Du kannst einen eigenen Gedanken haben und den in deinem Archiv bspw. unter „Inspiration“ ablegen.
  • Du kannst fremde Gedanken in deinem Zettelkasten aufnehmen wollen und unter „Referenz“ ablegen.
  • Du kannst eigene Ideen zu fremden Gedanken in deinem Zettelkasten aufnehmen wollen und diese unter „Inspiration“ mit einer Verknüpfung zu einer „Referenz“ ablegen.
Import von fremden Gedanken:
Zur bequemen Aufnahme von fremden Gedanken in Form von online Inhalten bietet Evernote das Browser-Plugin WebClipper an. Mit diesem könnte ihr ganze Webseiten, Artikel oder nur markierten Text direkt aus eurem Browser in Evernote speichern und diesen im gleichen Zug Notizbücher und Schlagwörter zuordnen. Der WebClipper kann auch ganze pdf Dokumente aus dem Web auf diesem Weg direkt in Evernote speichern. Der WebClipper erkennt, ob du gerade ein PDF-Dokument im Browser geöffnet hast. Er bietet dir an, dieses Dokument direkt an Evernote zu übergeben, ohne dass du dieses zuvor auf der Festplatte speichern müsstest. Du kannst dabei Einstellungen für das Notizbuch vornehmen und die gewünschten Schlagwörter vergeben. In der Praxis ist dies bei mir der bevorzugte Weg: Ich stoße im Web auf eine interessante Datei, durch den Klick auf den Dokumentenlink öffnet sich diese Datei zunächst im Browser. Damit verschaffe ich mir einen ersten Eindruck. Falls ich das Dokument für »archivierungswürdig« halte, klicke ich kurz auf den Web Clipper und die Arbeit ist erledigt.
Oft möchte man aber auch einfach nur eine Reihe von »Textschnipseln« aus Dokumenten oder Webseiten in Evernote speichern, ohne groß mit Evernote hantieren zu müssen. Für diese Fälle ist die Tastenkombination Windows+A ideal: Du markierst die gewünschte Textstelle, drückst die Tastenkombination und bemerkst – nichts. Evernote arbeitet im Hintergrund und erstellt eine neue Notiz mit dem markierten Inhalt, ohne das Fenster zu überdecken, in dem du gerade arbeitest. Lediglich in der rechten unteren Bildschirmecke erscheint ein kurzer Hinweis über die neue Notiz, der aber nach wenigen Sekunden automatisch verschwindet. So wird der Lesefluss also nicht unterbrochen. Besonders praktisch: Im Notizinformationsfenster findet sich später oft ein Quellverweis, also entweder die Adresse der Webseite, von der du den Text kopiert hast, oder der Festplattenlink z.B. zur Word-Datei. Ein einfacher Klick öffnet den Browser oder das Word-Programm samt Ursprungstext.
Und natürlich kann man eine Notiz auch einfach händisch in Evernote eingeben über den Button „Notiz hinzufügen“.
Unabhängig davon welche der obigen Quellen ich genutzt habe für eine Notitz. Wie sollte so eine sinnstiftende und fruchtbare Notiz in Evernote nun gestaltet werden?
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Notizstruktur:
  • Ein Notiz ist wie ein Blogpost. Die Aufmerksamkeit muss schnell gefangen sein. Das Wichtigste muss am Anfang stehen. Die Sprache sollte möglichst einfach sein.
  • Vergib eine gute Überschrift. Die Überschrift sollte klar sein und auf den Inhalt der Notiz abzielen. Du solltest beim Lesen der Überschrift sofort sehen worum es geht.
  • Der erste Satz ist eine Zusammenfassung. Wenn du nicht in einem Satz ausdrücken kannst, was in diesem Notiz steht, ist der Notiz entweder schlecht oder viel zu lang und sollte aufgeteilt werden. Im Idealfall musst du beim späteren Stöbern im Archiv nur die Überschrift und den ersten Satz lesen. Am einfachsten ist es, wenn du deine Gedanken, warum eine Information wichtig ist, direkt bei der Erfassung festhältst. Diese »Metadaten« sollten immer an der gleichen Stelle stehen und auch auf mobilen Geräten gut darstellbar sein. Eine Möglichkeit: immer am Notizanfang, also z.B. über einem PDF-Dokument, zentriert und kursiv. So musst du nicht lange suchen, diese Zusatzinformationen haben immer das gleiche Aussehen und sind am gleichen Ort zu finden. Meist genügen wenige Stichpunkte, und du weißt auch nach längerer Zeit, worum es dir ursprünglich ging.
  • Fassen den Inhalt klar in dem du kurz und knapp formulierst. Der Notiz muss aus sich heraus verständlich sein. Alle nötigen Informationen müssen auf diesem Notiz versammelt sein.
  • Referenzen angeben: Sofern es sich bei der Notiz um ein Exzerpt aus einem fremden Text handelt sollte man die Literaturangabe noch einmal in den Notiz einsetzen. Das macht das System widerstandsfähiger gegen Störungen. Und man kann Quellen die man eigentlich nur für populärwissenschaftliche Arbeiten verwenden wolltet bei Bedarf in Citavi überführen ohne noch einmal nachschlagen zu müssen.
Notizarten (welche verschiedenen Inhalte kann eine Notiz bspw enthalten):
  • Übersichten: Wenn ein Thema abgeschlossen ist lohnt sich eine Übersicht, die Mindmap, Outline, Quellen und EinzelNotiz verknüpft
  • Exzerpte: Auszüge aus fremden Texten
  • Notizverbindungen: Du kannst die Verknüpfungen zwischen Notizen auf der Notiz selber beschreiben oder wenn die Verbindung hinreichend komplex ist, dieser auch eine eigenen Notiz widmen
  • Eigene Gedanken
  • Probleme: Ungelöste Fragen, widerstreitende Meinungen
  • Gesprächszusammenfassungen: Einfache Dialoge die Interessantes zutage fördern oder auch dezidierte Interviews
  • Rezensionen: Bücher die wichtig genug sind exzerpiert werden sind auch wichtig genug rezensiert zu werden. Die Rezensionen werden in der Menge darauf hindeuten was dir an Büchern wichtig ist
  • Outline: Skizze für einen zukünftigen Text. Sie sieht aus wie eine strukturierte Liste von Stichpunkten und kurzen Sätzen. Eine gute Outline wird später zu einem Inhaltsverzeichnis für deinen Text. Eine Outline ergibt sich am einfachste aus einer Mindmap zu einem Thema.
Schlagwörter:
Die Schlagwörter mit der man eine Notiz in Evernote versehen kann sind eine überlegene Form Wissen zu verknüpfen. Ein Notiz hat beliebig viele Schlagworte. Diese Schlagworte gruppieren die Notiz zu anderen Notizen, ohne dass du andere Notizen aktiv mit diesem Notiz verknüpfen musst. Jede Notiz kann mit Schlagwörtern versehen werden. Immer handelt es sich um die gleiche Notiz, die durch die Schlagwörter »mehrfach« verwendet werden kann, ohne dass ich sie kopieren oder doppelt anfertigen müsste. Schlagwörter kommen immer ins Spiel, wenn ich eine Information in mehreren Bereichen gleichzeitig benötige.
Verschlagworte also reichlich. Durch Schlagworte ergeben sich zufällige Verknüpfungen und diese sind daher besonders überraschend. Diese Überraschungen sind es, die bei der Arbeit mit dem Zettelkasten zu neuen Gedanken führen. Verwende möglichst alle denkbaren Schlagworte, die dir einfallen. Mit der Zeit werden sich von ganz alleine zentrale Schlagworte herausbilden. Diese zentralen Schlagworte können auch darauf hinweisen, dass du dich unterbewusst schon länger mit einem Thema beschäftigst und du dazu möglicherweise etwas Sinnvolles schreiben könntest.
Vorgehen bei der Vergabe von Schlagworten:
  • Versuch nur Substantive zu verwenden.
  • Wähle positive Schlagwörter (Sympathie statt Antipathie)
  • Verwende die Einzahl
  • Verwende auch weit hergeholte Schlagwörter
Notizen verknüpfen:
Ein weiteres Instrument zur Vernetzung deiner Gedanken und deines Wissens sind die Verknüpfungen von Notiz zu Notiz. Diese werden innerhalb von Evernote als Link angelegt. Diese Verknüpfungen verbinden die Notiz zu einem Sinngeflecht. Dieses Sinngeflecht gibt deinem Archiv seine Mächtigkeit. Tatsächlich steigt die Mächtigkeit mit der Anzahl der Verknüpfungen rapide an. Viel schneller als lediglich durch das Befüllen des Archivs.
Du kannst einen direkten Verweis, einen Link, auf einen anderen Notiz setzen. Du markierst die zu verlinkende Notiz in der mittleren Vorschauleiste. Mit der rechten Maustaste rufst du das Kontextmenü auf und wählst den Punkt „Link zur Notiz kopieren“. Den Link kannst du nun aus der Zwischenablage heraus in jede andere Notiz einfügen. Dieser Link sollte mit einem Verweistext versehen werden in dem du beschreibst warum du den Verweis gesetzt hast. Das ist dir später vielleicht nicht mehr so ganz klar wie zum Zeitpunkt an dem du den Verweis gesetzt hast.
Wenn man auf den Link zu der verknüpften Notiz klickt, dann führt das dazu dass dieser Klick direkt zu dieser Notiz führt und  die aktuelle Information erst mal »aus den Augen« verschwunden ist. Natürlich kannst du zurückblättern. Noch eleganter ist es aber, wenn du die Shift-Taste gedrückt hälst, während du auf den Link klickst. Dadurch bleibt die momentane Notiz erhalten, die verlinkte Information wird in einem zusätzlichen Fenster eingeblendet. Wenn du diese Information zur Kenntnis genommen hast, kannst du das Fenster einfach wieder schließen. Oder du verschiebst es an den Rand, kannst also in deiner »Hauptnotiz« weiterarbeiten, hast aber weiterhin die Zusatznotiz – etwa eine Liste mit Namen oder Jahreszahlen – im Blick.
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Suchen:
Das Feature dass Evernote zur überlegenen Grundlage für den persönlichen Zettelkasten macht ist die mächtige Suchfunktion. Es gibt verschiedene nützliche Möglichkeiten in Evernote zu suchen bzw. zu recherchieren.
Die Listenansicht aller Notizen ermöglicht beispielsweise schon eine Sortierung nach Notiznamen, Entstehungszeitpunk, Notizbuch zu dem die Notiz gehört oder Schlagworte die vergeben wurden, ähnlich wie man es aus dem Windows Explorer kennt.
Praktisch ist auch, dass man  in der Schlagwortübersicht kleine Verknüpfungen herstellen kann, wenn man verschiedene Schlagwörter mit gedrückter Strg-Taste und einem Mausklick kennzeichnest und abschließend rechts oben Notizen anzeigen anklickst. Dann werden nur Notizen angezeigt die die ausgewählten Schlagworte enthalten.
An zentraler Stelle der Suche steht aber natürlich das Hauptsuchfeld rechts oben. Das ermöglicht die bequemste Suche. Wie von Google gewohnt gibt man hier einfach ein Wort ein und schaut mal welche Notizen dieses Suchwort im Titel, Schlagworten, im Text oder in den Anhängen enthalten. Evernote durchsucht dabei alle angehängten pdfs und Webseiteninhalte. Wenn man über einen Premium-Account verfügt sogar auch Office Dokumente. Wenn man ein zweites Wort in das Suchfeld eingibt werden nur Notizen angezeigt die beide Worte enthalten. Die Default-Einstellung für die Suche ist also eine UND-Verknüpfung.
Diese Standardsuche ist für fast alle Suchen ausreichend. Wenn man Evernote intensiv nutzt können komlexe Suchen nützlich sein. Diese sind in Evernote unproblematisch möglich. Auf komplexe Suchen in Evernote gehe ich in einem separaten Blog-Post ein, da das hier den Rahmen sprengen würde.
Aufgrund dieser drei mächtigen Features von Evernote: Schlagworte, Verknüpfungen und komplexe Suchen ist eine detaillierte Ordner- (Notizbuch-) struktur nicht notwendig, um Evernote als Zettelkasten zu nutzen. Ein digitaler Zettelkasten kann es sich daher im Gegensatz zu seinen „analogen“ Vorbildern leisten, ohne eine Ordnerstruktur auszukommen. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass die Kreativität sich mehr Raum im Chaos verschafft, weil Neues oft dadurch entsteht, dass plötzlich und zufällig Informationen nebeneinander zu liegen kommen, deren angestammten Speicherplätze in unseren Hirnen normalerweise weit auseinanderliegen. Somit kommt dem Schreibtool Evernote eine schlanke Notizbuchstruktur eher entgegen.
Eine neues Feature bei Evernote ist die Context-Anzeige bei der das Programm unter jeder Notiz entweder andere Notizen oder Web-Content anzeigt, die es in Verbindung zur aktuellen Notiz bringt. Hier muss aber wohl noch etwas an den Algorithmen gefeilt werden da diese Funktion zumindest für mich keine wirklich brauchbaren oder interessanten Resultate zutage gefördert hat.
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Schreiben mit dem Zettelkasten/Evernote
Der Schreibprozess hat folgende Phasen:
  1. Die Idee
  2. Das Sammeln der Bestandteile deines Textes. Auch das schlichte Herunterschreiben eines ersten Entwurfs ist eine Form des Sammeln oder das Schreiben einzelner Bestandteile die weiter gereift sind.
  3. Das Ordnen des Textes: Hierzu legst du eine Outline, eine grobe Gliederung, an. Ich verwende dazu gerne eine MindMap die ich mir zu dem Thema auf der Basis von vorhandenen Informationen, zu klärenden Fragen und Assoziationen mit dem Freeware-Tool XMind anlege. Diese exportiere ich dann in ein Listenformat und erhalte dadurch meine Outline.
  4. Das Überarbeiten: Streichen von Überflüssigen, ergänzen von Fehlendem, Umformulierung. Am Ende des Überarbeitens steht das Manuskript.
Wenn du mit dem Zettelkasten arbeitest, schreibst du permanent kleine Texte. Diese können die Fragmente eines längeren Textes wie eines Artikels oder eines Buches sein.
Schreiben mit dem Zettelkasten bedeutet die konstante Produktion von potentiellen Textfragmanten zu kanalisieren, ohne dass du dabei ständig einen Überblick behalten musst.
Beim Schreiben mit dem Zettelkasten gibt es folgende Fälle:
  • Du hast eine Idee und ein Schreibvorhaben aber noch nichts dazu geschrieben
  • Du hast eine Idee und ein Schreibvorhaben und schon eine Menge Notizen zu dem Thema geschrieben
  • Du hast keine Idee und kein Schreibvorhaben, schreibst aber schwerpunktmäßig zu bestimmten Themen
Im Einzelnen sieht das so aus:
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Eine Idee und noch nichts geschrieben
  1. Schritt: Erstellen eines strukturierten Outline
  2. Schritt: Recherche relevanten Materials, Jeden Zettel den du erstellst fügst du als einen Punkt in deine Outline ein. Somit erscheint die Outline erst einmal als eine Liste mit Überschriften. Ab einer gewissen Länge der Liste solltest du anfangen Cluster zu erkennen. Wenn sich sichon größere Kapitel abzeichnen lohnt es sich bereits früh die Kapitelüberschriften als Orientierungshilfe zu nehmen.
  3. Schritt: Die Zettelüberschriften werden durch den Inhalt der Zettel ersetzt. Jetzt hast du die erste Rohfassung.
Eine Idee und bereits etwas geschrieben
  1. Schritt: Erstellen eines strukturierten Outline
  2. Schritt: Recherchen zunächst nur in Evernote und ordnest die vorhandenen Notizen den Punkten im Outline zu.
  3. Schritt: Du recherchierst extern weiter und schreibst Zettel bis das Outline dicht genug aussieht
  4. Schritt: Die Zettelüberschriften werden durch den Inhalt der Zettel ersetzt. Jetzt hast du die erste Rohfassung.
Keine Idee aber ein Thema
Auch wenn du keine konkrete Idee und auch kein Schreibprojekt hast, lohnt es sich, wenn du Outlines zu den Themen anlegst, zu denen du regelmäßig schreibst.
  1. Schritt: Wenn ein bestimmtes Schlagwort häufig verwendet wird, was du in Evernote ja angezeigt bekommst, lohnt es sich ein Outline zu dem Thema anzulegen
  2. Schritt: Verlinke die passenden Notizen zu dem neu angelegten Outline. Du wählst zunächst ein Notizbuch aus, markierst dann mit Strg+A alle Notizen, rufst den Punkt „Links der Notizen kopieren“ auf und fügen in eine leere Notiz alle Verweise »in einem Zug« ein. Da beim Kopieren die Überschriften der Notizen übernommen werden, entsteht eine aussagekräftige Auflistung von Textzeilen.
  3. Schritt: Irgendwann stellst du fest, dass du zu einem Thema eine ganze Menge Material geschrieben hast, dass sich zu einem Text zusammenstellen lässt.
  4. Schritt: Übergang zu „Eine Idee und bereits etwas geschrieben“ (s. oben)
So kann man an mehreren Schreibprojekten gleichzeitig arbeiten, ohne die Aufmerksamkeit von dem Kernprojekt zu nehmen.
Um den Schreibprozess in Evernote zu begleiten kann man folgende, schlanke Notizbuchstruktur verwenden:
!_Inbox: (als Standardnotizbuch verwenden) hier wird alles gesammelt und danach verteilt auf die folgenden Notizbücher
1_Inspiration: Eigene Gedanken und Einfälle
2_Referenz: Auszüge aus fremden Gedanken, Buchexzerpte, Webfundstücke, etc.
3_Incubator: Hier kommen alle Publikationsideen, die man irgendwann mal mit Leben füllen könnte/möchte.
4_Outlines: Hier kommen alle Outlines rein, die auch in rudmentärer Form zu verschiedenen Themen angelegt worden sind.
5_Manuskripte: Das sind die Rohfassungen und deren nachfolgenden Fassungen, die aus den Outlines hervorgegangen sind.
6_Resultate: Nichts ist schöner als sich selbst zu zitieren! Hier kommen die fertiggestellten Texte rein, die man ebenfalls verschlagwortet und ggf. bei späteren Publikationen als Quellen noch einmal verwendet.
Die Notizbücher sind kaskadenförmig angeordnet. Von der Inbox fliessen die Inhalte zunächst in die Notizbücher 1_Inspiration oder 2_Referenz je nachdem ob es eigene oder fremde Gedanken sind die man erfasst hat. Ab da gehen sie ihren Weg über vage Ideen (3_Incubator) bis hin zum fertigen Text (6_Resultate).
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Favoriten:
Bei umfangreichen Texten kann es notwendig werden Outlines und Manuskripte zu einzelnen Kapiteln anzulegen. Diese kann man dann sehr schön in den Favoriten in Evernote ablegen. Diese sind bedauerlicherweise auf zehn begrenzt aber damit kann man ja schon mal arbeiten wenn diese 10 bspw. aus Notizbuchstappeln bestehen. Du kannst die einzelnen Verweise beliebig manuell verschieben. Hier kannst du dir, etwa für eine Abschlussarbeit oder einen größeren Projektantrag, eine eigene Gliederung »basteln« und die Abschnitte manuell verschieben.
Notizen in Evernote haben starre Sortierkriterien: Anfangsbuchstabe des Titels, Erstell- oder Änderungsdatum usw. Du kannst zwar bei den Titeln mit vorangestellten Ziffern arbeiten, um eine bestimmte Sortierung zu erreichen, also etwa »01-Anfang«, »02-Forschungsfragen«, »03-Entdeckung« usw., aber das ist umständlich. Während des Schreibens oder bei der Überarbeitung wirst du eventuell sehr oft eine Reihenfolge ändern müssen, was dann jeweils die Umbenennung des Titels mit neuen Ziffern erfordert. In der Rubrik Favoriten ist jedoch eine Änderung der Reihenfolge per gewohntem Drag & Drop möglich. »Zweckentfremde« also die Lesezeichen und erstelle an dieser Stelle deine individuelle Gliederung, die du jeweils sehr schnell dem Schreibprozess anpassen kannst. Später sind diese Favoriten mit dem entsprechenden Kontextmenübefehl rasch wieder entfernt und du hast das gewohnte Bild deiner Lesezeichen vor dir.
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Das war ein kurzer Überblick über Evernotes „Verzettelungsfähigkeiten“. Weitere Informationen dazu könnte ihr auch hier finden. Ich wünsche euch viel Spaß beim Entdecken und viel Erfolg beim Schreiben!
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Quellen:
Fast, Sascha – Die Zettelkastenmethode, Kontrolliere dein Wissen; Bielefeld; 2015
Hertramph, Herbert – Mit Evernote Selbstorganisation und Informationsmanagement optimieren; 2. Auflage; Heidelberg; 2014
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4 Gedanken zu “Evernote als Zettelkasten

  1. Hi Constantin, wir haben uns die Welt der Zettelkasten-Software mal angeschaut und haben gesehen, dass es nur wenige fokussierte und viele Workarounds (wie diese mit Evernote) gibt. Darauf hin haben wir das ganze überdacht und haben Auratikum gebaut. Steht noch ganz am Anfang und ist einen Blick wert. https://auratikum.de/bl Die Idee ist, die Methodik des Zettelkastens möglichst einfach zu digitalisieren. Wir freuen uns über Feedback!

    1. Hallo David, vom ersten Draufschauen sieht euer Konzept durchaus überzeugend aus. Natürlich müsste man sich da über weiter Aspekte wie Lizensierung, Connectivity und Ubiquität unterhalten. Das würde ich aber in der Tat gerne mal tun. Danke für den Tip!

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